Gerald Maronde Das Interview – Teil 3 –

Erstellt am: 02.03.2016 | Von: Jörg Rheinfurth

Volleymania:   Wie gehst du eigentlich mit Niederlagen um?

Gerald Maronde:   Grdsl. brauche ich immer eine gewisse Zeit, Niederlagen zu verarbeiten, da ich immer davon ausgehe, gegen jeden Gegner eine Chance (gehabt) zu haben. Dann gibt es in der Verarbeitung natürlich Unterschiede in der Analyse, denn wenn man als Team sein optimales Leistungsniveau abgerufen hatte, muss man einfach anerkennen, dass der Gegner (in bestimmten Details) besser war und vielleicht wurde ‚einem aufgedeckt‘, woran man in der Zukunft arbeiten und was noch verbessern kann; wenn allerdings vereinzelte oder das gesamte Team hinter seinen Möglichkeiten zurückgeblieben ist, fällt die Verarbeitung mit der entsprechenden Analyse länger und schwieriger aus.

Volleymania:   Sollte man auch junge Mädchen schon möglichst früh in „hoch spielenden“ Seniorenmannschaften spielen lassen um sie zu fördern, oder ist es eher kontraproduktiv?

Gerald Maronde: Grdsl. halte ich es für sehr sinnvoll, gut und erfreulich für Spielerinnen, schon in jungen Jahren ‚höher‘ zu spielen, um sich z.B. auf schnelleres Spiel und härtere Auf-/ Angriffsschläge einstellen zu müssen, was einem dann für den Jugendbereich auf jeden Fall Vorteile bringen wird. Auch für die Motivation kann dies einen erheblichen positiven Schub geben. Optimal und wünschenswert wäre hierbei allerdings, wenn man zusammen mit erfahrenen, älteren Spielerinnen spielen könnte, die im Bedarfsfall sowohl als Führungsspielerinnen in Erscheinung treten könne, als auch ‚grundsätzlich Vorbildfunktion‘ übernehmen können und wollen. Für äußerst wichtig halte ich es, dass vorher sehr klar ‚die Aussicht‘ auf Einsatzzeiten geklärt ist, da sich ansonsten bei der Spielerin schnell ein negativer Eindruck festsetzen kann und es dann einen ‚umgekehrten Effekt‘ für die Spielerin und das gesamte Team haben wird. Ggf. macht es dann mehr Sinn, nur an Trainingseinheiten teilzunehmen, um die ‚höhere Luft‘ zu schnuppern. Für wenig sinnvoll halte ich es allerdings, wenn man nur ‚höher spielt‘ um des Spielens willen, sich Frust durch (zu) viele Niederlagen abholt, keine Leistungssteigerung erzielt, weil man selbst ständig hinter seinen (Entwicklungs-)Möglichkeiten bleibt, keine oder nur ’standardtisierte‘ Einsatzmöglichkeiten bekommt (eigene/ gegnerische hohe Führung, etc.) oder aber durch zu hohe Intensitäten und/ oder Umfänge eine Belastungsüberforderung riskiert, die sich in gesundheitlichen Problemen und/ oder einer Verletzungsanfälligkeit mündet.

Volleymania:   Bitte setze die für dich passende Reihenfolge die Talente brauchen um nach oben zu kommen. Ehrgeiz, Selbstvertrauen, Talent, Wille, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Auffassungsvermögen, Glück

Gerald Maronde:   – Wille/ (gesunder) Ehrgeiz (incl. Selbstdisziplin), Auffassungsvermögen/ Umsetzungsfähigkeit, Schnelligkeit, Glück, Selbstvertrauen, Beweglichkeit, Talent

Volleymania:   Welche Übungen kann man jungen Spielerinnen besonders ans Herz legen um sich technisch, taktisch, mental und athletisch zu verbessern?

Gerald Maronde:   Zunächst einmal ist es äußerst wichtig, dass insbesondere eine genaue Bewegungs- und Ausführungsvorstellung vorhanden ist, da man sich ansonsten z.B. bei der „Technik“ sehr schnell falsche Bewegungsmuster aneignen kann oder es z.B. bei der „Athletik“ zu gesundheitlichen Problemen im Bewegungsapparat kommen kann; dann können Übungen auch durchaus in den ‚eigenen 4 Wänden‘ absolviert werden.
technisch: sehr bewusste und genaue Bewegungsschule z.B. vor Spiegeln oder mit geschlossenen Augen;
taktisch: Antizipations- und Wahrnehmungsübungen, z.B. die Flugbahn verschiedener Gegenstände, Federball, Frisbee, o.ä;
mental: spezielle Atemübungen;
athletisch: Koordinations-, Beinarbeit- und Sprintübungen, z.B. mit Zusatzgeräten wie kleinen Bällen, Seilen o.ä., Ausweich-/ Schattenläufe, Antritte/ Abdrücke aus verschiedenen Positionen über 2-4m

Volleymania:   Hat eine gesunde Ernährung einen besonderen Einfluss auf die Leistungsentwicklung junger Spielerinnen?

Gerald Maronde:   Auf jeden Fall, wobei auch hier gerade im Zeitalter von „Top-Models und Diätenwahn“ ‚Fanatismus und reiner Zwang‘ fehl am Platz wären und man auf keinen Fall vergessen sollte, dass schon eine ‚dosierte und bewusste Ernährung‘ gekoppelt mit einer positiven Grundeinstellung bessere Berater sind als so mancher ‚Ernährungsplan‘, der Leib und Seele in Zwänge packt; schon gar nicht, wenn man dann Tage später das Versäumte nachholt; dies hat dann in den meisten Fällen ein bei Weitem schlechteres Ergebnis zur Folge.

Volleymania:   Spielt Disziplin für dich eine wichtige Rolle? Sei es Selbstdisziplin als auch die Disziplin deiner Teams?

Gerald Maronde:   Auf jeden Fall, da es ansonsten sehr schwierig ist, gemeinsame Ziele in einem entsprechenden Zeitraum zu erreichen. Es müssen klare „Grenzen und Vorstellungen“ vorgegeben werden (wobei sich diese ggf. auch im Laufe der Zeit entwickeln können), innerhalb dieser man sich zu bewegen hat. Hier bewegt man sich nicht auf einer Linie, sondern in einem Bereich, aber dieser darf dann eben auch nicht ‚überschritten‘ werden, da man dadurch nicht nur sich selbst, sondern auch das gesamte Team ‚behindert‘, beeinträchtigt und beeinflusst. Somit kommt bei der Selbst-/ Disziplin auch ein sehr hoher Verantwortungscharakter zum Tragen, sowohl ‚mir selbst‘, meinen Mitspielerinnen als auch dem Trainer gegenüber. Über ein gehöriges Maß an Selbstdisziplin/ Eigenmotivation werden es auch Spielerinnen auf jeden Fall bei Weitem besser hinbekommen, ihre eigene Entwicklung intensiver und schneller voran zu bringen.

Volleymania:   Inwieweit haben dir Hürden und Hindernisse während deiner beruflichen Laufbahn weiter geholfen?

Gerald Maronde:   Durch Hürden und Hindernisse habe ich meine Vorgehens- und Herangehensweisen immer wieder hinterfragt; zwar habe ich immer versucht, meiner Linie treu zu bleiben, um somit auch authentisch zu sein und immer das ehrliche Gefühl zu geben und zu vermitteln, zu wissen woran man bei mir ist; aber eine Kompromissbereitschaft, um ggf. einen Schritt zurück zu gehen und anschliessend zwei oder mehrere Schritte nach vorne zu machen, hat noch nie und niemandem geschadet. Ich denke, dass man letztlich auch an Hindernissen wachsen kann, diese einen manchmal sogar schneller und intensiver voran bringen und man dadurch angetrieben werden kann, (für sich) Lösungen zu finden.

Volleymania:   Gerald wir danken dir das du dir Zeit für uns genommen hast und bei diesem sehr ausführlichen Interview Rede und Antwort standst. Jetzt bleibt uns nur noch dir viel Glück und Erfolg bei deiner Aufgabe in Dormagen zu wünschen. Alles Gute!