Gerald Maronde Das Interview – Teil 1 –

Erstellt am: 28.02.2016 | Von: Jörg Rheinfurth

Volleymania: Hallo Gerald, wie schön das du dich für uns entschieden hast und nun für den TSV Bayer Dormagen arbeitest. Was waren deine Gründe dafür?

Gerald Maronde: Nach meiner langjährigen Zeit im Hochleistungssport als professioneller Beachvolleyballtrainer mit sehr vielen Reisen im In- und Ausland habe ich in der Nähe meines Wohnortes einen Verein gesucht, um wieder ‚bodenständig‘ zu werden und deren Mannschaften, insbesondere im Jugendbereich, sich in den letzten Jahren leistungsmäßig entwickelt haben und daran Interesse zeigt, auf diesem Weg weitere Schritte zu gehen. So wurde in Gesprächen (mit Peter Radomski) sehr schnell klar, dass ein sehr ausgeprägtes, gemeinsames Interesse darin besteht, Volleyball in der Region weiter wachsen zu sehen und nach vorne zu bringen. Auf Grund der bereits vorhandenen Strukturen und der Möglichkeiten im Umfeld, wurde nicht nur das Interesse weiter verstärkt, sondern in weiteren Gesprächen, u.a. mit Vorstandsmitgliedern,  auch schon ein möglicher Weg skizziert, die Arbeiten im Verein und in der Region auszubauen, womit ein äußerst interessantes und zielgerichtetes Aufgabenfeld aufgezeigt wurde.

Volleymania: Wie sieht deine private Situation aus?

Gerald Maronde: Ich bin 53 Jahre alt, verheiratet, habe 2 Kinder (13J + 7J) und wohnhaft in Mönchengladbach. Seit 1992 bin ich Diplomsportlehrer, habe seit 2000 die Trainer A-Lizenz, bin seit 2004 Ausbilder beim WVV und seit 35 Jahren Volleyball-Trainer im weiblichen und männlichen Bereich. Ich habe von Anfängern bis hin zur 1.Bundesliga bzw. der Nationalmannschaft Australiens äußerst vielfältig in der Halle gearbeitet. Von 2006-2014 war ich auch im Beachvolleyball tätig, mit dem Highlight der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking.

Volleymania: Wie sind deine ersten Eindrücke vom Volleyball in Dormagen?

Gerald Maronde: Überwältigt und begeistert, da nicht nur die Qualität der einzelnen Mannschaften ein sehr gutes Niveau mit enormen Potenzial aufweisen, sondern auch im gesamten Umfeld eine unglaublich positive Resonanz vorhanden ist und ausgestrahlt wird, z.B. beim Vorstand und den Eltern, die mit ihrer Präsenz eine hervorragende Unterstützung signalisieren.

Volleymania: Was sind deine Ziele in Dormagen?

Gerald Maronde: Dies ist natürlich sehr breitgefächert und man kann hier in sehr viele verschiedene Kategorien einteilen; allgemein und auf den Verein bezogen: ich möchte den „TSV Bayer Dormagen“ sehr gerne zu einer „Adresse im Volleyball“ werden lassen, wie es ja schon andere Sportarten wie z.B. Handball oder Fechten in Dormagen geschafft haben. Wenn wir z.B. den großen Erfahrungsschatz der anderen Sportarten und das Teilinternat nutzen können, gibt es hier hervorragende Möglichkeiten, um dieses zu verwirklichen. Wenn wir als Abteilung es dann auch noch schaffen, den Gesamtverein für dieses Vorhaben zu gewinnen, denke ich, haben wir eine hervorragende Basis, um „Volleyball in Dormagen“ zukunftsträchtig und attraktiv gestalten zu können. Außerdem ist es ein Ziel, die Kooperation mit Schulen weiter zu festigen bzw. sogar auszubauen, um noch mehr Spielerinnen rekrutieren zu können, was allerdings auch die Erweiterung des bereits vorhandenen Trainerstabes bedeutet, so dass auch weitere ‚Volleyballinteressierte‘ ausgebildet und entsprechend unterstützt werden müssen. Auf die Jugendmannschaften bezogen: eine qualitative individuelle und mannschaftliche Weiterentwicklung, so dass natürlich als Ergebnis die nächsten Schritte in Richtung „Westdeutsche Meisterschaft“ gemacht werden können, d.h., zunächst sich für diese zu qualifizieren, dann auch auf dem Podest zu stehen und letztlich diese zu gewinnen.

Volleymania: Was zeichnet dich aus?

Gerald Maronde: So eine Frage muss ja eigentlich immer von anderen Leuten beantwortet werden…..; menschlich denke ich, zeichnet mich meine Ehrlichkeit und Offenheit aus; auf jeden Fall habe ich meine Ansichten, Erfahrungen und Vorstellungen, wobei ich nicht verbohrt und versteinert bin, sondern mich auch gerne in Diskussionen überzeugen lasse. Sportlich gesehen, zeichne ich mich durch Trainings aus, die einerseits „Spaß machen/ vermitteln sollen, sehr variabel sind und immer die individuelle und/ oder mannschaftliche Verbesserung“ zum Ziel haben, auf der anderen Seite allerdings eben auch durch den Hochleistungssport geprägte Intension bzw. Erwartung an die Spielerinnen, immer ein gewisses Niveau erreichen und/ oder auf jeden Fall darauf hinarbeiten zu wollen, weshalb ich natürlich eine gewisse Grundeinstellung voraussetze. Eine besondere analytische Fähigkeit, sowohl anatomisch und physiologisch als auch biomechanisch und ein breites Angebot an Lösungsvorschlägen, wobei ich immer versuche, konkrete Hinweise zu geben und nicht z.B. „du musst schneller laufen“, sondern „kleinere/ größere Schritte; früher starten; anderer Laufwinkel; 1.Schritt grö ßer/ kleiner/ anderer Fuß; Ausgangsposition: verändern/ tiefer/ höher; etc., etc., etc.“

Volleymania: Welche Methoden verfolgst du um deine Ziele zu erreichen?

Gerald Maronde: Ich nehme an, dass sich diese Frage in erster Linie auf den sportlichen Bereich bezieht; es wäre sicherlich zu viel des Guten, hier nun zu sehr in Einzelheiten zu gehen, aber sportlich gesehen bin ich grundsätzlich sowohl ein absoluter Verfechter des intensiven „Technik- und des Cross-Trainings“ als auch des gesundheits- und altersadäquaten Trainings. Eine „stereotypische Volleyballausbildung“ hat sich nicht nur als wenig sinnvoll erwiesen, sondern auch gezeigt, dass letztlich dadurch eine Limitierung sowohl in der Wahrnehmung als auch Flexibilität der Handlungsfähigkeit eintritt, wodurch schon früher als ’nötig‘ die Entwicklung ‚abgeschlossen‘ ist; nach meinen Erfahrungen konnte selbst bei erfahrenen Spielerinnen und Spielern durch entsprechendes Training noch eine entscheidende Leistungssteigerung erzielt werden, was z.B. im Beachvolleyball, auch die jeweiligen Teams noch nach Peking zu den OS gebracht hatte; eine gute und ausgeprägte Technik hat immer wieder gezeigt, dass ein Spielen auf höchstem Niveau nicht nur länger m öglich ist, sondern sich diese Art der akribischen und intensiven Arbeit auch in entsprechenden (individuellen) Erfolgen widerspiegelt.

Volleymania: Wie hat sich der Volleyballsport in den letzten 20 Jahren verändert?

Gerald Maronde: Sowohl im administrativen als auch sportlichen Bereich tlw. sicherlich schon erheblich; es ist auf jeden Fall ein größeres, allgemeines Interesse vorhanden, was z.B. an der Aufmachung von Bundesligaspielen zu sehen ist. Die Sporthallen wurden extrem vergrö ßert, incl. VIP Einrichtungen als ‚Standard‘, während man früher von Zuschauerzahlen ab 1000 aufwärts ‚für Begeisterung‘ sorgte, haben heute die Spiele ‚Eventcharakter‘, es wird mehr als nur ‚das Spiel‘ geboten, die Hallen sind entsprechend ausgestattet und Zuschauerzahlen von mehreren Tausend sind fast immer gegeben – Ziel sind tlw. schon eher 5-stellige Zahlen zu erreichen; auch erfolgt eine sehr viel intensivere Präsenz in den Medien, die allerdings ohne Zweifel noch sehr ausbaufähig ist. Aber natürlich auch in sportlicher Hinsicht, denn nicht nur die Athletik hat schon einen enormen Schub genommen, d.h., es wird schneller und variantenreicher gespielt und auch die Dynamik in den einzelnen Aktionen hat sehr stark zugenommen.

Volleymania: Wie kamst du zum Volleyball?

Gerald Maronde: Durch Freunde; ursprünglich hatte ich mit 6 Jahren mit „Judo“ angefangen, hinzu kam als Mannschaftssportart „Fußball“ und sp äter in der Schule „Basketball“, da es durch die starke Präsenz eines Lehrers eine sehr gute Schulmannschaft im Basketball gab. Durch Freunde bin ich dann erst recht spät zu Volleyball gekommen.

Volleymania: Warum wurdest du Trainer?

Gerald Maronde: Ich habe schon sehr früh festgestellt, dass mir das Lehren im sportlichen Bereich sehr viel Spaß gemacht hat und ich ‚ein Auge für biomechanische Abläufe‘ habe. Hinzu kam die Freude zu sehen, wie sich durch gezielte Anweisungen sportliche Verbesserungen und Erfolge erzielen liessen, tlw. individuell, tlw. als Mannschaft und auch das ‚gemeinschaftliche Leben‘ durch das ‚Miteinbeziehen des jeweiligen Umfeldes‘ habe ich immer als positiv empfunden.

Teil 2 morgen hier auf volleymania.de